„Elfmeter” oder von den Tücken der maschinellen Übersetzung

Der Besuch eines polni­schen Hotels in der vergan­genen Woche brachte es an den Tag: Was das Rauch­verbot betrifft, wächst Europa mehr und mehr zusammen. Zudem kann offenbar nicht unein­ge­schränkt zur Nutzung „künst­li­cher Intel­li­genz” für Über­set­zungen, in diesem Fall eines Compu­ter­pro­gramms, geraten werden. Als Beleg für diese wage­mu­tige Behaup­tung mag hier nur ein Auszug aus der im Gäste­zimmer auslie­genden Hotel­in­for­ma­tion dienen:

  • „We kindly ask not to smoke in hotel rooms and other areas. If you do not comply with the request, Guest will pay a penalty at the box office recep­tion of 500 zl.”

  • „Wir bitten, nicht in Hotel­zim­mern und in anderen Berei­chen zu rauchen. Wenn Sie nicht mit dem Antrag nicht entspre­chen, werden Gäste einen Elfmeter an den Kassen Empfang von 500 zl bezahlen.”

Unklar bleibt gleich­wohl, ob es nicht viel­leicht doch nur ein polni­scher Über­setzer als Vertreter eines der beiden Gast­ge­ber­länder der Fußball­eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2012 schlicht mit seiner Fußball­be­geis­te­rung etwas über­trieben hat.

Schwierigkeiten der Forschung und „Jesus in Japan”

Ich denke, es gehört zu den prak­ti­schen Erfah­rungen eines jeden wissen­schaft­lich Arbei­tenden, daß man im Fertig­stel­lungs­prozeß eines Projektes - von der ersten Idee bis zur Vorlage eines abge­schlos­senen Manu­skripts - Stim­mungs­schwan­kungen, von rela­tiver Verzweif­lung bis hin zu nahezu eupho­ri­schen Zuständen, durch­lebt. Dies gilt sicher allemal dann, wenn man diese Form der Arbeit mehr als Vergnügen denn als leidige Pflicht versteht.

So ging es mir dann auch bei der Arbeit an einem Text zu den soge­nannten „Takeuchi-​Dokumenten” (Takeuchi monjo 竹内文書, auch Take(no)uchi bunken 竹内文献), auf die ich anfangs tatsäch­lich erst­mals durch die Lektüre eines japa­ni­schen Krimi­nal­ro­mans, der „Legende von Liebe und Tod” (Ai to shi no densetsu 愛と死の伝説) von Nishi­mura Kyôtarô 西村京太郎, aufmerksam wurde. Diese inzwi­schen nur noch teil­weise und dann ausschließ­lich in Abschriften vorlie­genden Doku­mente bilden den zentralen Text­korpus einer japa­ni­schen soge­nannten „neuen Reli­gion” (shin-​shûkyô 新宗教), der „Reli­gion des Himmels” (amatsu-​kyô 天津教), die in der Tradi­tion der auto­chthonen Reli­gion Japans, des Shintô 神道, steht. Da in abseh­barer Zeit dazu ein wissen­schaft­li­cher Aufsatz von mir vorliegen dürfte und zudem gegen­wärtig ein englisch­spra­chiges Manu­skript zu dieser im Über­gang vom 19. zum 20. Jahr­hun­dert entstan­denen Spielart im Kontext des japa­ni­schen Natio­na­lismus von mir vorbe­reitet wird, will ich mich auf diese Einord­nung beschränken. Weiter­lesen

Selbstmordrate und Erdbebenkatastrophe 2011

Anfang Juni veröf­fent­lichte die japa­ni­sche Regie­rung durch ihr Kabi­netts­büro ihr „Weiß­buch der Maßnahmen gegen Selbst­mord” (jisatsu taisaku hakusho 自殺対策白書) für das Jahr 2011 (Heisei 23). Dieser Statistik zufolge nahmen sich 2011 30.651 Menschen in Japan das Leben. Im Vergleich zu der statis­ti­schen Erhe­bung des Vorjahres bedeutet dies eine Redu­zie­rung der Frei­tode um ca. 3,3% (2010: 31.690). Erst­mals nach 14 Jahren sei somit die jähr­liche Anzahl der Selbst­morde in Japan wieder unter 31.000 gesunken. Unter­su­chungen der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) belegen, daß Japan unter den acht führenden Indus­trie­na­tionen der Welt hinter Rußland die zweit­höchste durch­schnitt­liche Selbst­mord­rate auf 100.000 Einwohner zu verzeichnen hat.

Was nun aber gegen­wärtig der Regie­rung Sorgen bereitet, ist der sprung­hafte Anstieg der Selbst­mord­fälle im zweiten Quartal 2011. Im April nahmen sich 2711 (2010: 2585), im Mai 3375 (2010: 2782) und im Juni 3037 Menschen (2010: 2780) das Leben. Wurde im vergan­genen Jahr noch etwa der Freitod des Erotik­mo­dells (gurabia aidoru グラビアアイドル) und TV-„Sternchens” Uehara Miyu (上原美優, 1987-​2011) am 12.05.2011 dazu heran­ge­zogen, die unty­pisch anstei­gende Selbst­mord­rate im zweiten Quartal 2011 in der Alters­gruppe der 20- bis 30-​jährigen Frauen zu erklären, steht nunmehr die „Erdbe­ben­ka­ta­strophe im Osten Japans” (Higashi-​Nihon dais­hinsai 東日本大震災) vom 11.03.2011 im Fokus der Analyse. Weiter­lesen

Angehöriger des japanischen Kaiserhauses verstorben

Am Nach­mittag des 06. Juni ist in einem Tokyoter Kran­ken­haus Prinz Tomo­hito (Tomohito-​shinnô 寛仁親王), der präsum­tive Erbe des Prin­zen­ti­tels Mikasa 三笠, im Alter von 66 Jahren verstorben. Als Sohn des jüngsten Bruders des Shôwa Tennô 昭和天皇 (1901-​1989), des Prinzen Mikasa Taka­hito (Mikasa no miya Takahito-​shinnô 三笠宮崇仁親王, geb. 1915), war er ein Cousin des gegen­wär­tigen Tennô. Er verstarb nach seiner 16. Krebs­ope­ra­tion seit 1991.

Der wegen seines Bartes in Japan freund­lich als „bärtige Hoheit” (hige no denka ヒゲの殿下) bezeich­nete Prinz Tomo­hito erregte vor allem außer­halb Japans mediale Aufmerk­sam­keit, als er sich als Ange­hö­riger des Kaiser­hauses 2005 und 2006 über­ra­schend deut­lich gegen eine zur dama­ligen Zeit disku­tierte Ände­rung des „Gesetzes für das Kaiser­haus” (kôshitsu tenpan 皇室典範), mit der eine weib­liche Thron­folge in Japan ermög­licht werden sollte, wandte. Weiter­lesen