Rezension zu „Transnational Encounters between Germany and Japan” erschienen

Für die Mailing­liste H-​Soz-​Kult habe ich eine Publi­ka­tion zu den deutsch-​japanischen Bezie­hungen rezen­siert.

Joanne Miyang Cho /​ Lee M. Roberts /​ Chris­tian W. Spang (Hrsg.), Trans­na­tional Encoun­ters between Germany and Japan. Recep­tions of Part­nership in the Nine­teenth and Twen­tieth Centu­ries, Palgrave Series in Asian German Studies, Basing­s­toke, Hamp­shire /​ New York, NY, Palgrave Macmillan, 2015.

Der Text meiner Rezen­sion ist hier zu finden.

„Am Golde hängt doch alles” - das „Schriftzeichen des Jahres” 2016 in Japan

Das Jahr 2017 ist glück­li­cher­weise nicht so weit fort­ge­schritten, daß man nicht noch einen kurzen Rück­blick auf das vergan­gene Jahr werfen könnte. Zeit­mangel und fehlende Ruhe lassen mich als Teil meiner noch vergleichs­weise jungen jähr­li­chen Routine der Jahre 2013, 2014 und 2015 nun erst verspätet diesen Blick auf ein Ereignis im Dezember 2016 werfen, dessen jähr­liche Wieder­kehr sich in Japan einer gewissen medialen Aufmerk­sam­keit erfreut: die Bekannt­gabe des „Schrift­zei­chens des Jahres” (kotoshi no kanji 今年の漢字). Wie bei uns jähr­lich das „Wort des Jahres”, von der Gesell­schaft für deut­sche Sprache (GfdS) verkündet, ein sich dem Ende zunei­gendes Jahr beson­ders charak­te­ri­sieren solle, wurden seit Anfang November 2016 von der „Japa­ni­schen Gesell­schaft zur Über­prü­fung der kanji-Fähig­keit“ (Nihon kanji nôryoku kentei kyôkai 日本能力検定協会) wieder Vorschläge für ein chine­si­sches Schrift­zei­chen einge­worben, mit dem sich das Jahr 2016 am besten beschreiben lassen sollte. Am 12. Dezember, dem „Tag des chine­si­schen Schrift­zei­chens” (kanji no hi 漢字の日), wurde es wie gewöhn­lich in einer kalli­gra­phi­schen Zere­monie im Kiyomizu-​dera (清水寺), einer der bekann­testen buddhis­ti­schen Sehens­wür­dig­keiten Kyôtos, der Öffent­lich­keit vorge­stellt. Nach den Jahren 2000 und 2012 fiel zum dritten Mal die Wahl mehr­heit­lich auf das Schrift­zei­chen (kin - kon /​ kane - kana) mit seinen Bedeu­tungen „Geld”, „Gold”, „gold­farben”, „(Edel-)Metall”. Wie viel­fältig die einge­reichten Vorschläge gewesen sein müssen, zeigt jedoch deut­lich, daß dieses Schrift­zei­chen mit nur 6.655 von insge­samt abge­ge­benen 153.562 Stimmen bzw. einem Stim­men­an­teil von 4,33 % den ersten Platz erreichte. Weiter­lesen

„Bibliographie zur historischen Japanforschung”: 1700 Datensätze

rotIn dem von mir admi­nis­trierten, frei zugäng­li­chen Inter­net­tool der “Biblio­gra­phie zur histo­ri­schen Japan­for­schung” stehen Ihnen inzwi­schen 1700 Daten­sätze deutsch­spra­chiger Publi­ka­tionen zur japa­ni­schen Geschichte für Ihre biblio­gra­phi­sche Recherche zur Verfü­gung. Ein Teil der Daten­sätze ist mit dem Voll­text einer Publi­ka­tion verlinkt, soweit er im Internet zur Verfü­gung steht.

In Kürze wird die Biblio­gra­phie aufgrund eines Wechsels des Inter­net­dienst­leis­ters mögli­cher­weise für kurze Zeit nicht zur Verfü­gung stehen. Verzö­ge­rungen in der Erreich­bar­keit sind dann allen­falls tech­ni­schen Unwäg­bar­keiten geschuldet. Hier bitte ich gege­be­nen­falls um Ihr Verständnis und bin – noch – recht zuver­sicht­lich, derar­tige Schwie­rig­keiten vergleichs­weise schnell lösen zu können. Bitte versu­chen Sie es dann zu einem späteren Zeit­punkt erneut.

Prokofjew in Japan

orangenWährend eines Forschungs­auf­ent­haltes an der Waseda-​Universität in Tôkyô, der vor wenigen Tagen endete, führte mich mein Weg von meiner Unter­kunft zur Univer­si­täts­bi­blio­thek immer an diesem Café vorbei. Inner­lich schmun­zelte ich unver­mit­telt. Die Gedanken reisten dann in meine Vergan­gen­heit, die länger als meine Zukunft sein dürfte. Damals, „als Napo­leon auf Moskau ging”, so gegen Ende der 1970er Jahre, verpaßte uns ein wohl­mei­nender Deutsch­lehrer ein Abon­ne­ment für das Staats­theater Braun­schweig - eine bunte Platte aus Oper, Theater, Ballett. Alles in allem war das keine schlechte Erfah­rung, wenn auch für einen Teen­ager (und heute wohl noch immer für mich) 5 oder 6 Stunden „Faust, Zweiter Teil” doch etwas over the top waren und ich noch gut erin­nere, wie groß die Gefahr war, als im „Schwa­nensee” der Prinz bei einer Hebe­figur die Prima­bal­le­rina asso­luta des Corps de ballet jenes nieder­säch­si­schen Städt­chens - ein kleines „Pummel­chen” - beinahe in den Zuschau­er­raum „weiter­ge­reicht” hätte. Weiter­lesen

Henry St. John Bolingbroke (1678-​1751) zum Brexit

Nur zur Abwechs­lung und ausnahms­weise eine Fund­sache zu einem nicht-​japanbezogenen Thema:

Fast könnte man den Eindruck gewinnen, Henry St. John, 1. Viscount Boling­broke, einer der briti­schen Philo­so­phen in der Zeit der Aufklä­rung und ein zeit­ge­nös­sisch nicht unum­strit­tener Poli­tiker, habe den Austritt des Verei­nigten König­reichs aus der Euro­päi­schen Union vorher­ge­sehen. Es scheint zumin­dest, als hätte er ihn befür­wortet.

bolingbroke

Ob nun aber das Verei­nigte König­reich tatsäch­lich über jene „über­na­tür­liche Kraft” eines „Gottes” verfügt, der nicht einzu­schalten ist, wenn diese nicht zur Entwick­lung erfor­der­lich ist, mag dahin­ge­stellt bleiben.

Wichtiges Hilfsmittel: „Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften” erschienen

rekishigaku_hpAuf „Clio online”, dem „Fach­portal für die Geschichts­wis­sen­schaften”, ist dieser Tage aus fremder Feder ein wich­tiges Tool erschienen, mit dem viele Fragen im Fach zur Online-​Recherche beant­wortet werden dürften und auf das hinzu­weisen sich lohnt:

Busse, Laura/​ Enderle, Wilfried/​ Hohls, Rüdiger/​ Horst­kemper, Gregor/​ Meyer, Thomas/​ Prell­witz, Jens/​ Schuh­mann, Annette (Hg.): Clio Guide. Ein Hand­buch zu digi­talen Ressourcen für die Geschichts­wis­sen­schaften. Berlin 2016 (= Histo­ri­sches Forum, Bd. 19).

Absicht dieser Publi­ka­tion, die einer­seits als PDF, ande­rer­seits auf den Seiten des Fach­por­tals aufge­rufen werden kann, sei „die aktu­elle Kartie­rung des Feldes der digi­talen Fach­in­for­ma­tion der Geschichts­wis­sen­schaft.”

In der Absicht der Heraus­geber, „möglichst umfas­send den Stand der digi­talen Geschichts­wis­sen­schaft und ihrer Hilfs­mittel zu euro­päi­schen und außer­eu­ro­päi­schen Regionen durch jeweils eigene Guides” abzu­bilden, enthält dieses Hand­buch auch eine umfas­sende Darstel­lung der digi­talen Ressourcen für die histo­ri­sche Japan­for­schung:

Weber, Torsten/​ Krickel, Nina C.: „Japan.” In: Busse, Laura/​ Enderle, Wilfried/​ Hohls, Rüdiger/​ Horst­kemper, Gregor/​ Meyer, Thomas/​ Prell­witz, Jens/​ Schuh­mann, Annette (Hg.): Clio Guide. Ein Hand­buch zu digi­talen Ressourcen für die Geschichts­wis­sen­schaften. Berlin 2016 (= Histo­ri­sches Forum, Bd. 19).

Die Erdbeben auf Kyûshû vom April 2016 & die Demagogie

Seitdem am 14. April die südlichste der vier japa­ni­schen Haupt­in­seln, Kyûshû, mit der Präfektur Kuma­moto im Fokus von einem schweren Erdbeben getroffen wurde, dem seither in einer unun­ter­bro­chenen Kette zum Teil noch weit schwere „Nach­beben” folgen, brodelt die Gerüch­te­küche in den sozialen Netz­werken. Es sind diese - nichts zuletzt psychi­schen - Ausnah­me­si­tua­tionen, die der Verbrei­tung von Gerüchten Vorschub leisten, wenn auch die Anony­mität des Inter­nets heut­zu­tage dabei inzwi­schen förder­lich sein mag. Manche Gerüchte nehmen dabei gar nicht zwin­gend in der betrof­fenen Region ihren Ausgang, sondern werden aus falsch­ver­stan­denem „Spaß” andern­orts hämisch „kompo­niert”.  Gleich­wohl fühlt man sich wie auf einer Zeit­reise - in den September 1923 und nach Tôkyô, als Verleum­dungen, von der zeit­ge­nös­si­schen Pres­se­be­richt­erstat­tung flan­kiert, zu gewalt­samen Ausschrei­tungen gegen die korea­ni­sche Minder­heit in der japa­ni­schen Haupt­stadt­re­gion nach dem schweren Kantô-​Erdbeben vom 1. September 1923 (Kantô dais­hinsai, 関東大震災) führten. Ähnlich üble Gerüchte, japa­nisch デマ (dema, von: Demagogie), wie damals werden jetzt gerade, in dem Moment, in dem dieser kurze Beitrag entsteht, im Kontext des Kumamoto-​Erdbebens über den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twitter in statt­li­cher Zahl verbreitet: Weiter­lesen