Die Erdbeben auf Kyûshû vom April 2016 & die Demagogie

Seitdem am 14. April die südlichste der vier japa­ni­schen Haupt­in­seln, Kyûshû, mit der Präfektur Kuma­moto im Fokus von einem schweren Erdbeben getroffen wurde, dem seither in einer unun­ter­bro­chenen Kette zum Teil noch weit schwere „Nach­beben” folgen, brodelt die Gerüch­te­küche in den sozialen Netz­werken. Es sind diese - nichts zuletzt psychi­schen - Ausnah­me­si­tua­tionen, die der Verbrei­tung von Gerüchten Vorschub leisten, wenn auch die Anony­mität des Inter­nets heut­zu­tage dabei inzwi­schen förder­lich sein mag. Manche Gerüchte nehmen dabei gar nicht zwin­gend in der betrof­fenen Region ihren Ausgang, sondern werden aus falsch­ver­stan­denem „Spaß” andern­orts hämisch „kompo­niert”.  Gleich­wohl fühlt man sich wie auf einer Zeit­reise - in den September 1923 und nach Tôkyô, als Verleum­dungen, von der zeit­ge­nös­si­schen Pres­se­be­richt­erstat­tung flan­kiert, zu gewalt­samen Ausschrei­tungen gegen die korea­ni­sche Minder­heit in der japa­ni­schen Haupt­stadt­re­gion nach dem schweren Kantô-​Erdbeben vom 1. September 1923 (Kantô dais­hinsai, 関東大震災) führten. Ähnlich üble Gerüchte, japa­nisch デマ (dema, von: Demagogie), wie damals werden jetzt gerade, in dem Moment, in dem dieser kurze Beitrag entsteht, im Kontext des Kumamoto-​Erdbebens über den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twitter in statt­li­cher Zahl verbreitet: Weiter­lesen

Neue Publikation: 1969年の日独外務省政策企画協議と日本の核武装問題

deckblatt_es15Hier noch­mals ein Hinweis zu meinem Forschungs­pro­jekt bezüg­lich des Japan­be­suchs von Egon Bahr (SPD) 1969 im Kontext der deutsch-​japanischen Bezie­hungen & zeit­ge­nös­si­scher Diskus­sionen über eine atomare Bewaff­nung Japans. Als Abschluß dieses Forschungs­vor­ha­bens ist jetzt ein Aufsatz in japa­ni­scher Sprache von mir erschienen.

この度、私が1969年の日独外務省政策企画協議と日本の核武装問題をテーマに執筆した論文が東京大学大学院総合文化研究科附属グローバル地域研究機構/ドイツ・ヨーロッパ研究センター編集『ヨーロッパ研究』第15号に掲載されましたので、ここにお知らせいたします。

マイク・ヘンドリク・シュプロッテ(2016年):「日独外務省政策企画協議と日本の核武装問題―エゴン・バールと1969年の日本訪問―」、『ヨーロッパ研究』、第15号、29-41頁. 論文のフル・テキストはこちらです。

Louis Zamperini (1917-​2014) - „Unbroken”

Buchdeckel von: Zamperini, Louis (1957): Den Teufel auf den Fersen. Konstanz: Christliche Verlagsanstalt.Doku­men­ta­tionen und Spiel­filme, denen eine wahre histo­ri­sche Bege­ben­heit zugrunde liegt, erfreuen sich nicht nur in den Verei­nigten Staaten und Europa, sondern ebenso auch in Japan großer Beliebt­heit. Zumin­dest gilt dies für Filme, die sich nicht allzu kritisch mit der jüngeren japa­ni­schen Vergan­gen­heit befassen. Seit Mitte Januar ist in deut­schen Kinos nun ein US-​amerikanischer Spiel­film zu sehen, dessen Erscheinen in Japan bisher eher unge­wiss ist: „Unbroken” unter der Regie von Ange­lina Jolie über das Leben des Spit­zen­sport­lers und japa­ni­schen Kriegs­ge­fan­genen Louis „Louie” Zamperini (1917-​2014). Die deut­schen Film­kri­tiken, die zu dem Film veröf­fent­licht wurden, scheinen eher verhalten zu sein. Auch bei den dies­jäh­rigen Nomi­nie­rungen für den Oscar wurde dieser Film nur in weniger bedeu­te­tenden Kate­go­rien, für die „Beste Kame­ra­füh­rung”, den „Besten Ton” und den „Besten Tonschnitt”, berück­sich­tigt. In Japan ist der Film in Kreisen konser­va­tiver Meinungs­führer und Medien umstritten, behan­delt er doch im sieb­zigsten Jahr nach Kriegs­ende den brutalen und menschen­ver­ach­tenden Umgang mit alli­ierten Kriegs­ge­fan­genen seitens des japa­ni­schen Mili­tärs. Anhänger eines japa­ni­schen Geschichts­re­vi­sio­nismus, flan­kiert von Vertre­tern der japa­ni­schen „Society for the Disse­mi­na­tion of Histo­rical Fact” (Shijitsu o sekai ni hasshin suru kai 史実を世界に発信する会), agitierten vorbeu­gend gegen eine Veröf­fent­li­chung des Films in Japan. Mit Erfolg, wie es scheint, denn bisher wurde noch kein Datum für einen Film­start in japa­ni­schen Licht­spiel­häu­sern bekannt­ge­geben. Der japa­ni­sche Film­ver­leih Tôhô tôwa 東宝東和, Koope­ra­ti­ons­partner von Universal Pictures, hat sich bisher offenbar nicht auf eine Frei­gabe des Films in Japan fest­legen wollen, wie das Unter­hal­tungs­ma­gazin „Variety” Mitte Januar online berich­tete. In China hingegen sollte der Film am 30. Januar urauf­ge­führt werden, in Südkorea läuft er bereits seit dem  7. Januar. Weiter­lesen

Publikation: 1945年以前の市民社会

yoroppa_kenkyu_kleinWährend wir hier­zu­lande noch die weih­nacht­liche Fest­tags­stim­mung genießen, wird in anderen Teilen der Welt gear­beitet. Gerade eben wurde ich infor­miert, daß die japa­ni­sche Über­set­zung meines Arbeits­pa­pieres aus dem Jahr 2012 mit dem Titel „Zivil­ge­sell­schaft als staat­li­che Ver­an­stal­tung? Eine Spu­ren­su­che im Japan vor 1945.” in der Zeit­schrift „Euro­pean Studies /​ ヨーロッパ研究” der Univer­sität Tôkyô online publi­ziert worden ist.

この度、私が2012年に、1945年以前の市民社会をテーマにドイツ語で執筆した論文が日本語に翻訳され、東京大学大学院総合文化研究科附属グローバル地域研究機構/ドイツ・ヨーロッパ研究センター編集『ヨーロッパ研究』第14号に掲載されましたので、ここにお知らせいたします。翻訳の労を執ってくださった平松英人さんには心から感謝の意を表したいと思います。

マイク・ヘンドリク・シュプロッテ/ 平松英人訳 (2014年): 「国家に主導された市民社会?-1945年以前の日本にその手がかりを求めて-」、『ヨーロッパ研究』、第14号、5-24頁. 論文のフル・テキストはこちらです。

Vortragsankündigungen (November 2014) /​ 講演のご案内 (2014年11月)

Sind Sie viel­leicht Mitte November in Tôkyô? Auf Einla­dung des „Zentrums für Deutschland- und Euro­pa­stu­dien” der Univer­sität Tôkyô (DESK, 東京大学ドイツ・ヨーロッパ研究センター) halte ich in japa­ni­scher Sprache am 17. und 23. November 2014 auf dem Komaba-​Campus dieser Univer­sität im Rahmen verschie­dener Veran­stal­tungen folgende Vorträge.

11月に東京にいらっしゃいませんか。来たる11月17日と23日に、東京大学ドイツ・ヨーロッパ研究センターで講演をさせていただきます。講演のご案内をお知らせします。 Weiter­lesen

Publikation: Egon Bahrs Japanbesuch 1969 und die Frage einer japanischen Atombewaffnung

Forschungsprojekt: Egon Bahrs Japanbesuch 1969 - Ein Moment des japanischen "nuclear hedging"

Im Oktober 2010 schlugen in Japan die Wellen hoch, als der öffentlich-​rechtliche Fern­seh­sender NHK in einer Doku­men­ta­tion mit dem Titel „Japan, das ‚Atom­bom­ben‘ zu besit­zen wünschte: die unbe­kannte Wahr­heit über das Land, das zum Opfer von Atom­bom­ben wurde“ (‚kaku‘ o moto­meta Nihon: hiba­ku­koku ga shira­re­zaru shin­jitsu 「核」を求めた日本 - 被爆国が知られざる真実) ein Memo­randum aus dem Jahr 1969 vorstellte, in dem der SPD-​Politiker Egon Bahr, damals Leiter des Planungs­stabes des Auswär­tigen Amtes der Bundes­re­pu­blik, über die ersten Konsul­ta­tionen des Stabes mit seinem Pendant in Tôkyô berich­tete und dabei streng vertrau­liche Aussagen japa­ni­scher Dele­ga­ti­ons­mit­glieder zu der Option einer eigen­stän­digen japa­ni­schen Atom­be­waff­nung in dem mögli­chen japa­ni­schen Streben nach dem Status einer „Super­macht” erwähnte. Nachdem im Kontext der Havarie des Atom­kraft­werks Fukus­hima I unmit­telbar nach dem schweren Erdbeben im Osten Japans am 11. März 2011 auf einer japa­no­lo­gi­schen Mailing­liste auf einen Artikel eines japa­ni­schen Poli­tik­wis­sen­schaftler hinge­wiesen worden war, der diesen Sach­ver­halt kritisch beur­teilte, war mein Inter­esse geweckt. Gerade eben konnte ich zu dieser Thematik einen Aufsatz veröf­fent­li­chen:

Sprotte, Maik Hendrik (2014): Egon Bahr und sein Japan-​Besuch 1969: Japa­ni­sche Atom­waf­fen als ‚Frage des Wil­lens, nicht des Kön­nens‘?“ In: Fakul­tät für Ost­asi­en­wis­sen­schaf­ten der Ruhr-​Universität Bochum (Hg.): Bochu­mer Jahr­buch zur Ost­asi­en­for­schung (BJOAF). Mün­chen: Iudi­cium, 36 /​ 2012, S. 213-​247.

Ich habe mein Publi­ka­ti­ons­ver­zeichnis entspre­chend auf den neuesten Stand gebracht.

Anglizismen verursachen keine seelischen Qualen!

Zumin­dest sind sie offenbar nicht justi­tiabel. Vor einigen Monaten berich­tete ich von einer recht unge­wöhn­li­chen Klage eines Pensio­närs, dem die Entwick­lung der japa­ni­sche Sprache nicht völlig gleich­gültig ist, gegen den öffentlich-​rechtlichen Fern­seh­sender NHK. Taka­ha­shi Hôji 高橋鵬二 hatte im vergan­genen Jahr mit der Behaup­tung, durch einen zu häufigen Gebrauch engli­scher Lehn­wörter in der japa­ni­schen Sprache in Fern­seh­sen­dungen des Staats­fern­se­hens „see­li­sche Qua­len“ (seishin-​teki kutsû 精神的苦痛) zu erleiden, eine Scha­den­er­satz­klage vor dem Land­ge­richt Nagoya (Nagoya chi­sai 名古屋地裁) ange­strengt. Bereits am 12. Juni erging in der Sache das Urteil: Weiter­lesen