Prokofjew in Japan

orangenWährend eines Forschungs­auf­ent­haltes an der Waseda-​Universität in Tôkyô, der vor wenigen Tagen endete, führte mich mein Weg von meiner Unter­kunft zur Univer­si­täts­bi­blio­thek immer an diesem Café vorbei. Inner­lich schmun­zelte ich unver­mit­telt. Die Gedanken reisten dann in meine Vergan­gen­heit, die länger als meine Zukunft sein dürfte. Damals, „als Napo­leon auf Moskau ging”, so gegen Ende der 1970er Jahre, verpaßte uns ein wohl­mei­nender Deutsch­lehrer ein Abon­ne­ment für das Staats­theater Braun­schweig - eine bunte Platte aus Oper, Theater, Ballett. Alles in allem war das keine schlechte Erfah­rung, wenn auch für einen Teen­ager (und heute wohl noch immer für mich) 5 oder 6 Stunden „Faust, Zweiter Teil” doch etwas over the top waren und ich noch gut erin­nere, wie groß die Gefahr war, als im „Schwa­nensee” der Prinz bei einer Hebe­figur die Prima­bal­le­rina asso­luta des Corps de ballet jenes nieder­säch­si­schen Städt­chens - ein kleines „Pummel­chen” - beinahe in den Zuschau­er­raum „weiter­ge­reicht” hätte. Weiter­lesen

Von Zwergkastanien oder dem Weg als Ziel

Am 16.08.2012, seinem 106. Geburtstag, so weiß die japa­ni­sche Tages­zei­tung Mainichi shinbun zu berichten, wurde Shôchi Saburô 曻地三郎 in das „Guiness Buch der Rekorde” aufge­nommen. Seine beson­dere Leis­tung bestand darin, als bisher „ältester Mensch unter Nutzung öffent­li­cher Verkehrs­mittel die Erde umrundet” zu haben. Seit seinem 100. Geburtstag hat sich Shôchi Saburô, der auf seiner Reise stets mit einem schwarzen Zylinder und rotem Hutband zu sehen war, jähr­lich auf eine Vortrags­reise ins Ausland begeben. Zu seiner dies­jäh­rigen Flug­reise war er am 16.07. in seiner Heimat­stadt Fukuoka aufge­bro­chen. Er legte rund 57.000 Kilo­me­tern bei 16 Umstiegen zurück, von denen er einige Impres­sionen auf seinem Blog veröf­fent­lichte. In der First Class reiste er, seinem Alter entspre­chend, vergleichs­weise bequem. Unter anderem nahm der promo­vierte Pädagoge am „Inter­na­tional Congress of Psycho­logy” in Cape Town (Südafrika) teil. Wenn man der Mainichi shinbun glauben darf, ist sein nächstes persön­li­ches Ziel die Teil­nahme am kommenden Psycho­lo­gen­kon­gress - 2016 in Yoko­hama.

Unge­achtet dieser äußerst respek­ta­blen Leis­tung wäre es sicher nicht allzu inter­es­sant, hier weiter auf diese Person einzu­gehen, wenn sich bei näherer Recherche nicht eine noch bemer­kens­wer­tere Lebens­ge­schichte offen­barte. Dieser noch im 39. Jahr der Meiji-​Zeit (1906) auf Hokkaidô Gebo­rene kann auf ein an akade­mi­schen Titeln und inter­na­tio­nalen wissen­schaft­li­chen Auszeich­nungen reiches, aber auch mit persön­li­chen Prüfungen verse­henes Leben zurück­bli­cken. Weiter­lesen

Die „zwei Körper” einer Sängerin: TASHA gee & GILLE

Dem Histo­riker Leopold von Ranke wird der Sinn­spruch zuge­schrieben, Siege seien schnell errungen, diese Erfolge aber zu verste­tigen, gestalte sich eher schwer. In der japa­ni­schen Musik­szene des Jahres 2012 ist von einem erstaun­li­chen Sieg zu berichten - Ausgang noch offen. Dieser Sieg wurde zunächst mit einem Video auf Youtube erreicht. Vor 5 Monaten hoch­ge­laden, wurde dieses Video der damals völlig unbe­kannten Sängerin GILLE, eine engli­sche Cover­ver­sion des japa­ni­schen Titels „Flying Get” (フライングゲット) der japa­ni­schen J-​Pop-​Gruppe AKB48, inzwi­schen über 2.870.000 Mal (Stand: 21.07.2012) aufge­rufen.

Ist schon AKB48 (AKB = Akiha­bara, einem Orts­teil Tôkyôs, + 48 ursprüng­lich ange­dachte Mitglieder, jeweils 24 in 2 Gruppen, japan., engl.) mit ihrem eigenen Theater in Akiha­bara und inzwi­schen 4 Gruppen mit jeweils 16 Sänge­rinnen ein beson­deres Phänomen des so genannten J-​Pop, gilt dies allemal auch für GILLE. Sie verzich­tete bewußt auf die Sicht­bar­keit ihres Gesichts und ist auf diesem und anderen Videos, um die im Laufe der letzten Monate ihr Youtube-​Channel erwei­tert wurde, ausschließ­lich in ihrer Silhou­ette sichtbar. Weiter­lesen