Von Zwergkastanien oder dem Weg als Ziel

Am 16.08.2012, seinem 106. Geburtstag, so weiß die japa­ni­sche Tages­zei­tung Mainichi shinbun zu berichten, wurde Shôchi Saburô 曻地三郎 in das „Guiness Buch der Rekorde” aufge­nommen. Seine beson­dere Leis­tung bestand darin, als bisher „ältester Mensch unter Nutzung öffent­li­cher Verkehrs­mittel die Erde umrundet” zu haben. Seit seinem 100. Geburtstag hat sich Shôchi Saburô, der auf seiner Reise stets mit einem schwarzen Zylinder und rotem Hutband zu sehen war, jähr­lich auf eine Vortrags­reise ins Ausland begeben. Zu seiner dies­jäh­rigen Flug­reise war er am 16.07. in seiner Heimat­stadt Fukuoka aufge­bro­chen. Er legte rund 57.000 Kilo­me­tern bei 16 Umstiegen zurück, von denen er einige Impres­sionen auf seinem Blog veröf­fent­lichte. In der First Class reiste er, seinem Alter entspre­chend, vergleichs­weise bequem. Unter anderem nahm der promo­vierte Pädagoge am „Inter­na­tional Congress of Psycho­logy” in Cape Town (Südafrika) teil. Wenn man der Mainichi shinbun glauben darf, ist sein nächstes persön­li­ches Ziel die Teil­nahme am kommenden Psycho­lo­gen­kon­gress - 2016 in Yoko­hama.

Unge­achtet dieser äußerst respek­ta­blen Leis­tung wäre es sicher nicht allzu inter­es­sant, hier weiter auf diese Person einzu­gehen, wenn sich bei näherer Recherche nicht eine noch bemer­kens­wer­tere Lebens­ge­schichte offen­barte. Dieser noch im 39. Jahr der Meiji-​Zeit (1906) auf Hokkaidô Gebo­rene kann auf ein an akade­mi­schen Titeln und inter­na­tio­nalen wissen­schaft­li­chen Auszeich­nungen reiches, aber auch mit persön­li­chen Prüfungen verse­henes Leben zurück­bli­cken. Weiter­lesen

Selbstmordrate und Erdbebenkatastrophe 2011

Anfang Juni veröf­fent­lichte die japa­ni­sche Regie­rung durch ihr Kabi­netts­büro ihr „Weiß­buch der Maßnahmen gegen Selbst­mord” (jisatsu taisaku hakusho 自殺対策白書) für das Jahr 2011 (Heisei 23). Dieser Statistik zufolge nahmen sich 2011 30.651 Menschen in Japan das Leben. Im Vergleich zu der statis­ti­schen Erhe­bung des Vorjahres bedeutet dies eine Redu­zie­rung der Frei­tode um ca. 3,3% (2010: 31.690). Erst­mals nach 14 Jahren sei somit die jähr­liche Anzahl der Selbst­morde in Japan wieder unter 31.000 gesunken. Unter­su­chungen der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) belegen, daß Japan unter den acht führenden Indus­trie­na­tionen der Welt hinter Rußland die zweit­höchste durch­schnitt­liche Selbst­mord­rate auf 100.000 Einwohner zu verzeichnen hat.

Was nun aber gegen­wärtig der Regie­rung Sorgen bereitet, ist der sprung­hafte Anstieg der Selbst­mord­fälle im zweiten Quartal 2011. Im April nahmen sich 2711 (2010: 2585), im Mai 3375 (2010: 2782) und im Juni 3037 Menschen (2010: 2780) das Leben. Wurde im vergan­genen Jahr noch etwa der Freitod des Erotik­mo­dells (gurabia aidoru グラビアアイドル) und TV-„Sternchens” Uehara Miyu (上原美優, 1987-​2011) am 12.05.2011 dazu heran­ge­zogen, die unty­pisch anstei­gende Selbst­mord­rate im zweiten Quartal 2011 in der Alters­gruppe der 20- bis 30-​jährigen Frauen zu erklären, steht nunmehr die „Erdbe­ben­ka­ta­strophe im Osten Japans” (Higashi-​Nihon dais­hinsai 東日本大震災) vom 11.03.2011 im Fokus der Analyse. Weiter­lesen