Publikation: Hochverrat als internationales Phänomen (in japanischer Sprache)

Als Japa­no­lo­ge freue ich mich stets dar­über, wenn ich ein­mal die Gele­gen­heit erhal­te, in japa­ni­scher Spra­che zu publi­zie­ren. Vor allem dadurch, so den­ke ich, hat man die Mög­lich­keit, auch ein klei­nes Stück weit in die japa­ni­sche For­schung zu „wir­ken“. Gera­de erschien fol­gen­der Auf­satz von mir in einer japa­ni­schen Fach­zeit­schrift. Mein Publi­ka­ti­ons­ver­zeich­nis habe ich ent­spre­chend aktualisiert.

マイク・ヘンドリク・シュプロッテ (2014): „国際的現象としての「大逆罪」 — ドイツ帝国の場合“ [Kokusai-teki gens­hô toshi­te no „taigyaku-zai“ — Doitsu tei­ko­ku no baai] („Hoch­ver­rat“ als inter­na­tio­na­les Phä­no­men — Die Ver­hält­nis­se im Deut­schen Reich). In: 初期社会主義研究 [Sho­ki shakais­hugi ken­kyû]. Nr. 25, Tôkyô, S. 33–41.

Nach­trag (10.03.2015): Die­ser Text steht Ihnen jetzt hier als Voll­text im PDF-Format zum Down­load zur Verfügung.

Kommentar zu Vortrag über „Geschichtswahrnehmung in Ostasien“ online

Im Rah­men des Klaus Zer­nack Col­lo­qui­ums und sei­ner Vor­trags­rei­he „Geschich­te im öffent­li­chen Raum“ am Zen­trum für His­to­ri­sche For­schung Ber­lin der Pol­ni­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten hielt am 10. Febru­ar 2014 Prof. Dr. Nis­hi­ya­ma Aki­yo­shi 西山暁義 von der Kyô­ritsu Women’s Uni­ver­si­ty (Kyô­ritsu joshi dai­gaku 共立女子大学) einen Vor­trag unter dem Titel „Im Fern­os­ten nichts Neu­es? Per­spek­ti­ven trans­na­tio­na­ler Geschichts­wahr­neh­mung auf das natio­na­lis­ti­sche Ost­asi­en“. Dazu war ich als Kom­men­ta­tor ein­ge­la­den. Bei You­tube wur­de nun eine zwei­tei­li­ge Zusam­men­fas­sung des Vor­trags, mei­nes Kom­men­tars und der sich anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on mit dem Publi­kum ein­ge­stellt: Wei­ter­le­sen

Eine runde Sache – das „Schriftzeichen des Jahres“ 2013

Seit 1995 wird es in Japan ermit­telt – das chi­ne­si­sche „Schrift­zei­chen des Jah­res“ (koto­shi no kan­ji 今年の漢字). Als gemein­nüt­zi­ge Stif­tung wirbt die „Japa­ni­sche Gesell­schaft zur Über­prü­fung der kan­ji-Fähig­keit“ (Nihon kan­ji nôryo­ku ken­tei kyô­kai 日本漢字能力検定協会) jähr­lich Vor­schlä­ge für ein chi­ne­si­sches Schrift­zei­chen (kan­ji 漢字) ein, des­sen Bedeu­tung die Ent­wick­lun­gen eines Jah­res am bes­ten wider­spie­ge­le. Die Gesell­schaft hat ihren Sitz in Kyô­to und grün­det ihre Tätig­keit auf drei Säu­len: (1) der Stei­ge­rung des öffent­li­chen Bewußt­seins für die Bedeu­tung chi­ne­si­scher Schrift­zei­chen in der japa­ni­schen Spra­che, (2) der For­schung zur kan­ji-Kul­tur und zum Japa­ni­schen und (3) der Stei­ge­rung der Fähig­keit in der Ver­wen­dung chi­ne­si­scher Schrift­zei­chen. Zur Popu­la­ri­sie­rung chi­ne­si­scher Schrift­zei­chen wird nun­mehr seit 1995 an jedem 12. Dezem­ber, dem von der Gesell­schaft pro­kla­mier­ten „Tag des chi­ne­si­schen Schrift­zei­chens“ (kan­ji no hi 漢字の日), in einer medi­en­wirk­sa­men Zere­mo­nie am Kiyomizu-dera (清水寺), einem der belieb­tes­ten bud­dhis­ti­schen Tem­pel Kyô­tos, die jähr­li­che Wahl ver­kün­det. Dazu kal­li­gra­phiert der Vor­stand (kan­su / kan­ju 貫主) des Tem­pels, Mori Sei­han 森清範, groß­flä­chig die Aus­wahl des Jah­res. Die­se Kal­li­gra­phien wie­der­um wer­den im Muse­um der Gesell­schaft (kan­ji shiryô­kan 漢字資料館) gesam­melt und aus­ge­stellt. Mit dem „Tag des chi­ne­si­schen Schrift­zei­chens“ sol­le das Inter­es­se an kan­ji ver­tieft und eine Gele­gen­heit geschaf­fen wer­den, über die tief­grün­di­ge Bedeu­tung der Schrift­zei­chen, die den Kern der japa­ni­schen Spra­che dar­stell­ten, zu ler­nen. Außer­dem wol­le man gene­rell das Ver­ständ­nis für die japa­ni­sche Kul­tur ver­tie­fen. Die Aus­wahl jenes kon­kre­ten Datums eines „Tages des chi­ne­si­schen Schrift­zei­chens“ ihrer­seits, also des 12.12., erfolg­te gemäß einer Eigen­art in Japan, sich Zah­len über deren Lesung mit­tels einer „Esels­brü­cke“ mer­ken zu kön­nen und zugleich einen der Zah­len­aus­wahl Sinn geben­den Gehalt zu trans­por­tie­ren (goroa­wa­se 語呂合わせ):

1 – 2 – 1 – 2 = いい字一字 = „ii ji ichi­ji“ als Mot­to des Tages, mit dem der Wunsch aus­ge­drückt wird, sich (min­des­tens) „ein Zei­chen, ein schö­nes Zei­chen“ pro Jahr zu merken;

Für das Jahr 2013 wähl­te man das Zei­chen (rin / wa) mit der Bedeu­tung „Ring“, „Rad“ bzw. etwas „Run­des“. Die erfolg­rei­che Bewer­bung Tôkyôs um die Olym­pi­schen Som­mer­spie­le 2020, aber auch die Auf­nah­me des Ber­ges Fuji und der ihn umge­ben­den Orte in die Lis­te des Welt­kul­tur­er­bes sei­tens der UNESCO und die Qua­li­fi­zie­rung der japa­ni­schen Mann­schaft für die Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft 2014 hät­ten gezeigt, daß man durch ein Zusam­men­ste­hen, durch „Team­work“, etwas errei­chen kön­ne. Glei­ches gel­te für die Bewoh­ner der Tôhoku-Region, also des Nord­os­tens Japans, mit deren Unter­stüt­zung die Tôho­ku Raku­ten Gol­den Eagles (東北楽天ゴールデンイーグルス) erst­mals in ihrer Ver­eins­ge­schich­te im Jahr 2013 in der japa­ni­schen Base­ball­li­ga den Meis­ter­ti­tel errin­gen konn­ten. Außer­dem habe man die Fol­gen der zahl­rei­chen Natur­ka­ta­stro­phen, die 2013 das Land heim­such­ten, dadurch über­win­den kön­ne, daß man zusam­men­ge­stan­den habe. Das Schrift­zei­chen doku­men­tie­re zudem auch eine grenz­über­schrei­ten­de Soli­da­ri­tät, wie sie sich bei­spiels­wei­se in der Ent­sen­dung des bis­her größ­ten Kon­tin­gen­tes der japa­ni­schen Selbst­ver­tei­di­gungs­kräf­te auf die Phil­ip­pi­nen zu Rettungs- und Hilfs­ak­tio­nen im Zuge der durch den Tai­fun Hai­y­an ver­ur­sach­ten Zer­stö­run­gen äuße­re. Wei­ter­le­sen

Publikation: Japan und die Erste Russische Revolution (1905)

Gera­de erreich­te mich vom Ver­lag Sla­vi­ca Publis­hers in den USA, einem der füh­ren­den Ver­la­ge für Publi­ka­tio­nen aus dem Bereich der ost­eu­ro­päi­schen Geschich­te, die Nach­richt, daß ein Auf­satz­band zur Ers­ten Rus­si­schen Revo­lu­ti­on (1905), in dem sich ein Auf­satz von mir fin­det, druck­frisch aus­ge­lie­fert wurde:

Sprot­te, Maik Hen­drik (2013): The Con­quest of Bread: Ear­ly Japa­nese Socia­lism and the Rus­sian Revo­lu­tion of 1905 as an Inspi­ra­tion.“ In: Fischer von Wei­kers­thal, Felicitas/ Grü­ner, Frank/ Hoh­ler, Susanne/ Sche­de­wie, Franziska/ Utz, Rapha­el (Hg.): The Rus­sian Revo­lu­tion of 1905 in Trans­cul­tu­ral Per­spec­tive. Iden­ti­ties, Peri­phe­ries, and the Flow of Ide­as. Bloo­m­ing­ton, IN.: Sla­vica Publis­hers, S. 325—337.

Mitschnitt eines Vortrags zu Gerüchten und Falschmeldungen in Erdbebenkatastrophen online

Am 26. Juni 2013 habe ich am Ost­asia­ti­schen Insti­tut (Japa­no­lo­gie) der Uni­ver­si­tät Leip­zig einen Vor­trag mit dem Titel „Die ‚Nach­rich­ten des Win­des‘ (kaze no tay­o­ri 風の便り): Zur Wir­kung von Gerüch­ten (uwa­sa 噂) und Falsch­mel­dun­gen (ryû­gen higo 流言蜚語) in den Erd­be­ben­ka­ta­stro­phen 1923 und 2011“ gehal­ten. Die­ser Vor­trag wur­de mit­ge­schnit­ten und ist nun auf den Youtube-Channel der Japa­no­lo­gie Leip­zig ein­ge­stellt wor­den: Wei­ter­le­sen

Neue Vorträge

Im Ver­lauf des Juni 2013 habe ich zwei Vor­trä­ge – zu Egon Bahrs Japan-Besuch 1969 und zu Gerüch­ten bzw. Falsch­mel­dun­gen in den Erd­be­ben­ka­ta­stro­phen 1923 und 2011 – gehal­ten und mei­ne Auf­stel­lung ent­spre­chend aktualisiert.

Keine Geister in offizieller Residenz des japanischen Ministerpräsidenten

Wer unlängst das Hin und Her einer zunächst erdach­ten und dann zurück­ge­zo­ge­nen Ver­ord­nung der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on zum Ver­bot offe­ner Olivenöl-Karaffen in Spei­se­lo­ka­len ver­folgt hat, ver­fügt schon über einen Ein­druck, mit wel­chen wich­ti­gen Ange­le­gen­hei­ten sich man­che zen­tra­len Regierungs- und Ver­wal­tungs­stel­len über die Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung oder die Kon­zep­ti­on wir­kungs­vol­ler Maß­nah­men gegen die Wirt­schafts­kri­se hin­aus zu befas­sen haben. Daher über­rascht es wenig, wenn das japa­ni­sche Kabi­nett am 24. Mai 2013 auf eine schrift­li­che Anfra­ge des Abge­ord­ne­ten im Ober­haus Kaga­ya Ken 加賀谷健 von der Demo­kra­ti­schen Par­tei (mins­hu­tô 民主党) erklär­te, „kei­ne Kennt­nis­se“ von Geis­ter­er­schei­nun­gen (yûrei 幽霊) in der offi­zi­el­len Resi­denz des japa­ni­schen Minis­ter­prä­si­den­ten (sôri dai­jin kôtei 総理大臣公邸) zu haben. Selbst auf der Nach­mit­tags­pres­se­kon­fe­renz des Kabi­nett­se­kre­tärs (kan­bô chô­kan 官房長官) Suga Yoshi­hi­de 菅義偉 am 24.05. war die­se Anfra­ge noch ein­mal The­ma und beschäf­tig­te dann in einer Kurz­mel­dung am Fol­ge­tag nahe­zu alle japa­ni­schen Tages­zei­tun­gen in ihren Online-Ausgaben. Auf die Fra­ge eines Jour­na­lis­ten, ob er selbst schon die Anwe­sen­heit von Geis­tern in der Resi­denz gespürt habe, hat­te Suga schmun­zelnd erklärt, dass er das nicht aus­schlie­ßen kön­ne („Iwa­re­re­ba, sô ka na, to omo­i­ma­shi­ta“ 言われれば、そうかな、と思いました).

Als eine der „stä­di­schen Legen­den“ (urban legend, toshi den­setsu 都市伝説) hält sich nach­hal­tig das Gerücht, daß Per­so­nen, die wäh­rend der bei­den Putsch­ver­su­che jun­ger Offi­zie­re vom 15. Mai 1932 und 26. Febru­ar 1936 in der dama­li­gen, „alten“ Resi­denz (kyû-kôtei 旧公邸) des japa­ni­schen Minis­ter­prä­si­den­ten ihr Leben ver­lo­ren, in zeit­ge­nös­si­sche Uni­for­men geklei­det, noch heu­te gele­gent­lich ihr geis­ter­haf­tes Unwe­sen in der zwi­schen 2003 und 2005 erwei­ter­ten und reno­vier­ten Resi­denz des japa­ni­schen Minis­ter­prä­si­den­ten trie­ben. 1932 wur­den in der Resi­denz ein Poli­zist und der Minis­ter­prä­si­dent Inu­kai Tsuyo­shi 犬養毅 (1855–1932), 1936 vier Ange­hö­ri­ge des Wach­per­so­nals und ver­se­hent­lich der Schwa­ger und Sekre­tär des damals amtie­ren­den Minis­ter­prä­si­den­ten Oka­da Kei­suke 岡田啓介 (1868–1952), Matsuo Den­zô 松尾伝蔵 (1872–1936), des­sen Aus­se­hen dem sei­nes Schwa­gers sehr ähnel­te, erschos­sen. Wei­ter­le­sen