Publikation: 1945年以前の市民社会

yoroppa_kenkyu_kleinWäh­rend wir hier­zu­lan­de noch die weih­nacht­li­che Fest­tags­stim­mung genie­ßen, wird in ande­ren Tei­len der Welt gear­bei­tet. Gera­de eben wur­de ich infor­miert, daß die japa­ni­sche Über­set­zung mei­nes Arbeits­pa­pie­res aus dem Jahr 2012 mit dem Titel „Zivil­ge­sell­schaft als staat­li­che Ver­an­stal­tung? Eine Spu­ren­su­che im Japan vor 1945.“ in der Zeit­schrift „European Stu­dies / ヨーロッパ研究“ der Uni­ver­si­tät Tôkyô online publi­ziert wor­den ist.

この度、私が2012年に、1945年以前の市民社会をテーマにドイツ語で執筆した論文が日本語に翻訳され、東京大学大学院総合文化研究科附属グローバル地域研究機構/ドイツ・ヨーロッパ研究センター編集『ヨーロッパ研究』第14号に掲載されましたので、ここにお知らせいたします。翻訳の労を執ってくださった平松英人さんには心から感謝の意を表したいと思います。

マイク・ヘンドリク・シュプロッテ/ 平松英人訳 (2014年): 「国家に主導された市民社会?-1945年以前の日本にその手がかりを求めて-」、『ヨーロッパ研究』、第14号、5-24頁. 論文のフル・テキストはこちらです。

Geldleistung an den Staat – das „Schriftzeichen des Jahres“ 2014

Haben Sie nicht viel­leicht auch den Ein­druck, als sei das Jahr 2014, wenn auch noch weni­ge Wochen ver­blei­ben, beson­ders schnell ver­gan­gen? Fast kommt es mir vor, als habe ich erst „ges­tern“ von der Wahl eines „Schrift­zei­chen des Jah­res“ (koto­shi no kan­ji 今年の漢字) – da aber für das Jahr 2013 – als ver­kürz­te Bilanz eines Jah­res­laufs und den Modus sei­ner Aus­wahl berich­tet. Heu­te wur­de nun bereits das für das Jahr 2014 reprä­sen­ta­ti­ve Schrift­zei­chen gekürt. Es ist das 20. sei­ner Art. Die Wahl fiel auf das Schrift­zei­chen mit den Lesun­gen zei - sei / mit­su­gi sowie der Bedeu­tung „Steu­er“. Vor allem die Erhö­hung (zôzei 増税) der Ver­brauchs­steu­er (shôhi‐zei 消費税) zum 1. April die­sen Jah­res, übri­gens erst­mals seit 1997, von 5% auf 8%, aber auch die Ver­schie­bung einer ursprüng­lich für den 1. Okto­ber 2015 geplan­ten zwei­ten Anhe­bung auf 10% führ­ten zum Votum für die­ses Schrift­zei­chen. Die Anhe­bung der Ver­brauchs­steu­er stel­le durch eine Ver­teue­rung von Waren des täg­li­chen Bedarfs, der Trans­port­kos­ten (für Taxis, Bah­nen und Bus­se) und der Gebüh­ren öffent­li­cher Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men für Strom, Gas und Was­ser eine Belas­tung für die Haus­halts­füh­rung dar und habe dadurch einen gro­ßen Ein­fluß auf die Lebens­wei­se der Japa­ne­rin­nen und Japa­ner erlangt. Damit ver­wies es die Schrift­zei­chen netsu / atsu[i] – hate[ru] – iki[ru]hoto­bo­ri 熱 (= Hit­ze, auch Eifer bzw. Enthu­si­as­mus) und kyo / fu{ku]ha[ku]uso 嘘 (= Lüge) auf den zwei­ten bzw. drit­ten Platz. Wei­ter­le­sen

Vor siebzig Jahren: Hinrichtung des Journalisten und Spions Richard Sorge (1895–1944)

DDR-Briefmarke [1976] zu Ehren des "Kundschafters des Friedens" Richard SorgeDie Exekution

Am Vor­mit­tag des 7. Novem­ber 1944, dem 27. Jah­res­tag des Sturms auf das Win­ter­pa­lais in Sankt Peters­burg als Beginn der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on in Ruß­land, die nach unse­rem Kalen­der eigent­lich eine „Novem­ber­re­vo­lu­ti­on“ war, und heu­te auf den Tag genau vor sieb­zig Jah­ren, wur­de um 10:20 Uhr im „Ichigaya‐Gefängnis“ (Ichi­ga­ya kei­mus­ho 市谷刑務所) in Tôkyô der deut­sche Jour­na­list und sowje­ti­sche Spi­on Richard Sor­ge zum Gal­gen geführt. 16 Minu­ten spä­ter war er tot. Sor­ge war vom so ge­nannten „Vier­ten Büro“ des Mili­tä­ri­schen Nach­rich­ten­diens­tes der Sowjet­union ange­wor­ben wor­den und hat­te zuerst in Chi­na und ab 1933 in Japan einen Spio­na­ge­ring, über des­sen Details ich schon frü­her berich­te­te, auf­ge­baut. Der Ver­lauf der Hin­rich­tung ist der Repro­duk­ti­on eines japa­ni­schen Pro­to­kolls zu ent­neh­men, das als Teil eines Berichts aus dem August des Jah­res 1947 in eng­li­scher Spra­che zur Spio­na­ge­af­fä­re, die mit dem Namen Richard Sor­ges untrenn­bar ver­bun­den ist, im August 2004 zufäl­lig von dem an der Geschich­te sozia­ler Bewe­gun­gen inter­es­sier­ten His­to­ri­ker und Akti­vis­ten Wata­be Tomi­ya 渡部富哉 in einem der Anti­qua­ria­te der japa­ni­schen Haupt­stadt im Stadteil Kan­da ent­deckt wur­de. Wei­ter­le­sen

Vortragsankündigungen (November 2014) / 講演のご案内 (2014年11月)

Sind Sie viel­leicht Mit­te Novem­ber in Tôkyô? Auf Ein­la­dung des „Zen­trums für Deutschland‐ und Euro­pa­stu­di­en“ der Uni­ver­si­tät Tôkyô (DESK, 東京大学ドイツ・ヨーロッパ研究センター) hal­te ich in japa­ni­scher Spra­che am 17. und 23. Novem­ber 2014 auf dem Komaba‐Campus die­ser Uni­ver­si­tät im Rah­men ver­schie­de­ner Ver­an­stal­tun­gen fol­gen­de Vor­trä­ge.

11月に東京にいらっしゃいませんか。来たる11月17日と23日に、東京大学ドイツ・ヨーロッパ研究センターで講演をさせていただきます。講演のご案内をお知らせします。 Wei­ter­le­sen

Publikation: „Zum Stellenwert der Geschichte im politischen Diskurs Ostasiens“

historie 2014Vor eini­ger Zeit berich­te­te ich bereits, daß ich im Febru­ar 2014 als Kom­men­ta­tor eines Vor­trags, in dem Prof. Dr. Nis­hiy­ama Akiyo­shi 西山暁義 (Kyô­ritsu Women’s Uni­ver­sity, Kyô­ritsu joshi dai­gaku 共立女子大学) zu „Im Fer­nos­ten nichts Neu­es? Per­spek­ti­ven trans­na­tio­na­ler Geschichts­wahr­neh­mung auf das natio­na­lis­ti­sche Ost­asien“ im Rah­men des Klaus Zer­nack Col­lo­qui­ums und sei­ner Vor­trags­reihe „Geschich­te im öffent­li­chen Raum“ sprach, an das Zen­trum für His­to­ri­sche For­schung Ber­lin der Pol­ni­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten ein­ge­la­den wur­de.

Mein Kom­men­tar – als Ver­such der Ein­bet­tung ost­asia­ti­scher Geschichts­de­bat­ten in den aktu­el­len poli­ti­schen Kon­text der Regi­on – ist nun, eben­so wie der über­ar­bei­te­te Vor­trags­text von Prof. Nis­hi­ya­ma (S. 323–337), in ver­schrift­lich­ter Form erschie­nen:

Sprot­te, Maik Hen­drik (2014): „Zum Stel­len­wert der Geschich­te im poli­ti­schen Dis­kurs Ost­asi­ens. Gedan­ken­split­ter zum Bei­trag von Nis­hi­ya­ma Aki­yo­shi.“ In: His­to­rie. Jahr­buch des Zen­trums für His­to­ri­sche For­schung Ber­lin der Pol­ni­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten, Fol­ge 7, 2013/2014, Leverkusen‐Opladen: Bud­rich Uni­Press, S. 338–343.

Japanologentag 2015: Panel zu Protestformen im 19. und frühen 20. Jahrhundert zwischen Gewalt und Zivilität

ProtestformenGemein­sam mit Dr. Tino Schölz orga­ni­sie­re ich ein Panel, das wir wäh­rend des 16. Deutsch­spra­chi­gen Japa­no­lo­gen­tags, der vom 26. bis 28. August 2015 an der Uni­ver­si­tät Mün­chen statt­fin­den wird, mit the­ma­tisch aus­ge­wie­se­nen Kol­le­gen ver­an­stal­ten wer­den. Unter dem Titel: „Gewalt und Zivi­li­tät – Pro­test­for­men im 19. und der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts“ wer­den wir der Leit­fra­ge nach­ge­hen, inwie­weit sozia­ler Pro­test in Japan – sowohl hin­sicht­lich der Legi­ti­ma­ti­on als auch der sozia­len Pra­xis – im Ver­lauf des 19. und der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts in Bezug auf Gewalt und Zivi­li­tät einem his­to­ri­schen Wan­del unter­lag.

Mein Weg zu Jesus – ein japanischer Reisebericht

Einleitung

Erschre­cken Sie bit­te nicht. Ich habe nicht die Absicht, mich in die­sem Bei­trag jener Fra­ge des Gret­chens zuzu­wen­den, die Goe­the im „Faust“ die­ser in den Mund leg­te: „Nun sag, wie hast du’s mit der Reli­gi­on?“ Pri­va­tes darf pri­vat blei­ben; Glau­bens­fra­gen wer­den nur am Ran­de berührt – zumin­dest soweit sie mei­ne per­sön­li­chen reli­giö­sen Über­zeu­gun­gen betref­fen. Ein Glau­bens­be­kennt­nis möch­te ich weder abge­ben noch ver­lan­gen. Mei­ne Absicht ist es viel­mehr nur, von einer Rei­se zu berich­ten, die mich schon vor meh­re­ren Mona­ten, Anfang März 2014, in den Nor­den Japans, in das Dorf Shin­gô 新郷 im Süden der Prä­fek­tur Aom­ori 青森県, auf den Spu­ren einer japa­ni­schen Jesus‐Legende zu einem Grab führ­te, das angeb­lich das „Grab Chris­ti“ (Kiri­s­u­to no haka キリストの墓) sein soll. Die­ses Grab steht den­noch nicht etwa in einem christ­li­chen Kon­text, son­dern soll­te bei sei­ner „Ent­de­ckung“ im Jahr 1935 Glau­bens­in­hal­te einer neu­en, in Shintô‐Tradition ste­hen­den Reli­gi­on (shintô‐kei shin‐shûkyô 神道系新宗教) stüt­zen, deren Exege­se dazu ver­an­laßt, die­se Reli­gi­on in einer Kom­bi­na­ti­on aus religions‐ und poli­tik­wis­sen­schaft­li­cher Ana­ly­se unter dem Dach des reli­giö­sen Natio­na­lis­mus, hier des Shintô‐Nationalismus, zu ver­or­ten. Wei­ter­le­sen