Anglizismen verursachen keine seelischen Qualen!

Zumin­dest sind sie offen­bar nicht jus­ti­tia­bel. Vor eini­gen Mona­ten berich­te­te ich von einer recht unge­wöhn­li­chen Kla­ge eines Pen­sio­närs, dem die Ent­wick­lung der japa­ni­sche Spra­che nicht völ­lig gleich­gül­tig ist, gegen den öffentlich-rechtlichen Fern­seh­sen­der NHK. Taka­ha­shi Hôji 高橋鵬二 hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr mit der Behaup­tung, durch einen zu häu­fi­gen Gebrauch eng­li­scher Lehn­wör­ter in der japa­ni­schen Spra­che in Fern­seh­sen­dun­gen des Staats­fern­se­hens „see­li­sche Qua­len“ (seishin-teki kutsû 精神的苦痛) zu erlei­den, eine Scha­den­er­satz­kla­ge vor dem Land­ge­richt Nago­ya (Nago­ya chi­sai 名古屋地裁) ange­strengt. Bereits am 12. Juni erging in der Sache das Urteil: Wei­ter­le­sen

Publikation: Hochverrat als internationales Phänomen (in japanischer Sprache)

Als Japa­no­lo­ge freue ich mich stets dar­über, wenn ich ein­mal die Gele­gen­heit erhal­te, in japa­ni­scher Spra­che zu publi­zie­ren. Vor allem dadurch, so den­ke ich, hat man die Mög­lich­keit, auch ein klei­nes Stück weit in die japa­ni­sche For­schung zu „wir­ken“. Gera­de erschien fol­gen­der Auf­satz von mir in einer japa­ni­schen Fach­zeit­schrift. Mein Publi­ka­ti­ons­ver­zeich­nis habe ich ent­spre­chend aktua­li­siert.

マイク・ヘンドリク・シュプロッテ (2014): „国際的現象としての「大逆罪」 — ドイツ帝国の場合“ [Kokusai-teki gens­hô toshi­te no „taigyaku-zai“ — Doitsu tei­ko­ku no baai] („Hoch­ver­rat“ als inter­na­tio­na­les Phä­no­men — Die Ver­hält­nis­se im Deut­schen Reich). In: 初期社会主義研究 [Sho­ki shakais­hugi ken­kyû]. Nr. 25, Tôkyô, S. 33–41.

Nach­trag (10.03.2015): Die­ser Text steht Ihnen jetzt hier als Voll­text im PDF-Format zum Down­load zur Ver­fü­gung.

Kommentar zu Vortrag über „Geschichtswahrnehmung in Ostasien“ online

Im Rah­men des Klaus Zer­nack Col­lo­qui­ums und sei­ner Vor­trags­rei­he „Geschich­te im öffent­li­chen Raum“ am Zen­trum für His­to­ri­sche For­schung Ber­lin der Pol­ni­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten hielt am 10. Febru­ar 2014 Prof. Dr. Nis­hi­ya­ma Aki­yo­shi 西山暁義 von der Kyô­ritsu Women’s Uni­ver­si­ty (Kyô­ritsu joshi dai­gaku 共立女子大学) einen Vor­trag unter dem Titel „Im Fern­os­ten nichts Neu­es? Per­spek­ti­ven trans­na­tio­na­ler Geschichts­wahr­neh­mung auf das natio­na­lis­ti­sche Ost­asi­en“. Dazu war ich als Kom­men­ta­tor ein­ge­la­den. Bei You­tube wur­de nun eine zwei­tei­li­ge Zusam­men­fas­sung des Vor­trags, mei­nes Kom­men­tars und der sich anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on mit dem Publi­kum ein­ge­stellt: Wei­ter­le­sen

Eine runde Sache – das „Schriftzeichen des Jahres“ 2013

Seit 1995 wird es in Japan ermit­telt – das chi­ne­si­sche „Schrift­zei­chen des Jah­res“ (koto­shi no kan­ji 今年の漢字). Als gemein­nüt­zi­ge Stif­tung wirbt die „Japa­ni­sche Gesell­schaft zur Über­prü­fung der kan­ji-Fähig­keit“ (Nihon kan­ji nôryo­ku ken­tei kyô­kai 日本漢字能力検定協会) jähr­lich Vor­schlä­ge für ein chi­ne­si­sches Schrift­zei­chen (kan­ji 漢字) ein, des­sen Bedeu­tung die Ent­wick­lun­gen eines Jah­res am bes­ten wider­spie­ge­le. Die Gesell­schaft hat ihren Sitz in Kyô­to und grün­det ihre Tätig­keit auf drei Säu­len: (1) der Stei­ge­rung des öffent­li­chen Bewußt­seins für die Bedeu­tung chi­ne­si­scher Schrift­zei­chen in der japa­ni­schen Spra­che, (2) der For­schung zur kan­ji-Kul­tur und zum Japa­ni­schen und (3) der Stei­ge­rung der Fähig­keit in der Ver­wen­dung chi­ne­si­scher Schrift­zei­chen. Zur Popu­la­ri­sie­rung chi­ne­si­scher Schrift­zei­chen wird nun­mehr seit 1995 an jedem 12. Dezem­ber, dem von der Gesell­schaft pro­kla­mier­ten „Tag des chi­ne­si­schen Schrift­zei­chens“ (kan­ji no hi 漢字の日), in einer medi­en­wirk­sa­men Zere­mo­nie am Kiyomizu-dera (清水寺), einem der belieb­tes­ten bud­dhis­ti­schen Tem­pel Kyô­tos, die jähr­li­che Wahl ver­kün­det. Dazu kal­li­gra­phiert der Vor­stand (kan­su / kan­ju 貫主) des Tem­pels, Mori Sei­han 森清範, groß­flä­chig die Aus­wahl des Jah­res. Die­se Kal­li­gra­phi­en wie­der­um wer­den im Muse­um der Gesell­schaft (kan­ji shiryô­kan 漢字資料館) gesam­melt und aus­ge­stellt. Mit dem „Tag des chi­ne­si­schen Schrift­zei­chens“ sol­le das Inter­es­se an kan­ji ver­tieft und eine Gele­gen­heit geschaf­fen wer­den, über die tief­grün­di­ge Bedeu­tung der Schrift­zei­chen, die den Kern der japa­ni­schen Spra­che dar­stell­ten, zu ler­nen. Außer­dem wol­le man gene­rell das Ver­ständ­nis für die japa­ni­sche Kul­tur ver­tie­fen. Die Aus­wahl jenes kon­kre­ten Datums eines „Tages des chi­ne­si­schen Schrift­zei­chens“ ihrer­seits, also des 12.12., erfolg­te gemäß einer Eigen­art in Japan, sich Zah­len über deren Lesung mit­tels einer „Esels­brü­cke“ mer­ken zu kön­nen und zugleich einen der Zah­len­aus­wahl Sinn geben­den Gehalt zu trans­por­tie­ren (goro­awa­se 語呂合わせ):

1 – 2 – 1 – 2 = いい字一字 = „ii ji ichi­ji“ als Mot­to des Tages, mit dem der Wunsch aus­ge­drückt wird, sich (min­des­tens) „ein Zei­chen, ein schö­nes Zei­chen“ pro Jahr zu mer­ken;

Für das Jahr 2013 wähl­te man das Zei­chen (rin / wa) mit der Bedeu­tung „Ring“, „Rad“ bzw. etwas „Run­des“. Die erfolg­rei­che Bewer­bung Tôkyôs um die Olym­pi­schen Som­mer­spie­le 2020, aber auch die Auf­nah­me des Ber­ges Fuji und der ihn umge­ben­den Orte in die Lis­te des Welt­kul­tur­er­bes sei­tens der UNESCO und die Qua­li­fi­zie­rung der japa­ni­schen Mann­schaft für die Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft 2014 hät­ten gezeigt, daß man durch ein Zusam­men­ste­hen, durch „Team­work“, etwas errei­chen kön­ne. Glei­ches gel­te für die Bewoh­ner der Tôhoku-Region, also des Nord­os­tens Japans, mit deren Unter­stüt­zung die Tôho­ku Raku­ten Gol­den Eagles (東北楽天ゴールデンイーグルス) erst­mals in ihrer Ver­eins­ge­schich­te im Jahr 2013 in der japa­ni­schen Base­ball­li­ga den Meis­ter­ti­tel errin­gen konn­ten. Außer­dem habe man die Fol­gen der zahl­rei­chen Natur­ka­ta­stro­phen, die 2013 das Land heim­such­ten, dadurch über­win­den kön­ne, daß man zusam­men­ge­stan­den habe. Das Schrift­zei­chen doku­men­tie­re zudem auch eine grenz­über­schrei­ten­de Soli­da­ri­tät, wie sie sich bei­spiels­wei­se in der Ent­sen­dung des bis­her größ­ten Kon­tin­gen­tes der japa­ni­schen Selbst­ver­tei­di­gungs­kräf­te auf die Phil­ip­pi­nen zu Rettungs- und Hilfs­ak­tio­nen im Zuge der durch den Tai­fun Hai­yan ver­ur­sach­ten Zer­stö­run­gen äuße­re. Wei­ter­le­sen

Verursachen Anglizismen seelische Qualen?

Er ken­ne kein ande­res Land der Erde, in dem man so respekt­los mit der eige­nen Spra­che umge­he. Mit die­ser Ein­schät­zung wur­de Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Ram­sau­er (CSU) bereits im Jahr 2010 zitiert, als er in sei­nem Res­sort den Angli­zis­men in der deut­schen Spra­che den Kampf ansag­te. Ein „Flip­chart“ sei­nes Hau­ses wur­de so offen­bar wie­der zum „Tafel­schreib­block“, ein „Mee­ting“ zu einer „Bespre­chung“ und  ein „Lap­top“ zum „Klapprech­ner“. Da bekannt­lich nur der ste­te Trop­fen den Stein höhlt, dau­er­te es noch drei Jah­re, bis auch die Deut­sche Bahn 2013 erklär­te, nun­mehr die­sem Vor­bild fol­gen zu wol­len, in dem man zur Pfle­ge der deut­schen Spra­che künf­tig Angli­zis­men – soweit mög­lich – ver­mei­den wol­le. Wenn es dann auch bedau­er­lich scheint, statt auf den für „kiss & ride“ vor­ge­se­he­nen Park­plät­zen doch mög­li­cher­wei­se zukünf­tig nur wie­der in der „Kurz­zeit­park­zo­ne“ Abschied neh­men zu kön­nen, mag die­ses Vor­ge­hen begrenzt die Kom­mu­ni­ka­ti­on in der Gesell­schaft über die Genera­tio­nen­gren­zen hin­weg erleich­tern. Dem Bun­des­mi­nis­ter sei den­noch eine Rei­se nach Japan emp­foh­len, denn so könn­te er jen­seits sei­ner auf den natio­na­len Bereich beschränk­ten Sicht­wei­se viel­leicht ein wei­te­res „Land der Erde“ ken­nen­ler­nen, in dem er sprach­lich Begeis­ter­te tref­fen könn­te, die sei­ne Ansich­ten hin­sicht­lich der Respekt­lo­sig­keit des sprach­li­chen Umgangs nahe­zu deckungs­gleich zu tei­len schei­nen und glei­cher­ma­ßen die sprach­li­che Ent­wick­lung ihres Lan­des kri­ti­sie­ren.

Im Som­mer 2013 war bei­spiels­wei­se auch für den 71-jährigen Taka­ha­shi Hôji 高橋鵬二 eine Gren­ze über­schrit­ten. Als Ver­ant­wort­li­cher eines „Ver­eins, der die japa­ni­sche Spra­che hoch­schätzt“ (Nihon­go o tai­setsu ni suru kai 日本語を大切にする会) reich­te der in der Stadt Kani in der Prä­fek­tur Gifu 岐阜県可児市 ansäs­si­ge ehe­ma­li­ge Beam­te über sei­nen Anwalt eine Scha­den­er­satz­kla­ge beim Land­ge­richt Nago­ya (Nago­ya chi­sai 名古屋地裁) gegen die öffentlich-rechtliche Sen­de­an­stalt NHK (Nihon hôsô kyô­kai 日本放送協会) ein. Anlaß sei­ner Kla­ge waren „see­li­sche Qua­len“ (seishin-teki kutsû 精神的苦痛), die durch den über­mä­ßi­gen Gebrauch von Lehn­wör­tern, vor­nehm­lich eng­li­scher Pro­ve­ni­enz, in Sen­dun­gen des öffent­li­chen recht­li­chen Fern­se­hens ver­ur­sacht wor­den sein sol­len. Inhalt­lich wand­te er sich gegen den „wider­recht­li­chen Gebrauch“ von Lehn­wör­tern in Fern­seh­sen­dun­gen, selbst dann, wenn die­ser völ­lig unnö­tig sei. Mögen jun­ge Men­schen auch die­se Fremd­wör­ter ver­ste­hen, könn­te eine älte­re Per­son Begrif­fe wie etwa アスリート (asurî­to, = ath­le­te, = Ath­let) oder コンプライアンス (kon­purai­an­su, = com­pli­an­ce, = Ein­wil­li­gung, Kon­for­mi­tät, Über­ein­stim­mung, Ord­nungs­mä­ßig­keit) inhalt­lich nicht erfas­sen. Der über­mä­ßi­ge Gebrauch von Fremd­spra­chen füh­re bei Per­so­nen, die die­sem gegen­über ein Unwohl­sein emp­fän­den, zu unnö­ti­gen see­li­schen Qua­len und stel­le somit ein „Delikt“ (fuhô kôi 不法行為) gemäß § 709 des japa­ni­schen Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches (min­pô dai-709-jô 民法第709条) dar. Gera­de ein öffentlich-rechtlicher Sen­der wie NHK sei aber zu einer all­seits ver­ständ­li­chen Aus­drucks­wei­se ver­pflich­tet. Nach­dem die Beant­wor­tung eines Schrei­bens zum Gebrauch von Lehn­wör­tern durch NHK nicht erfolgt sei, habe sich Taka­ha­shi zur Kla­ge ver­an­laßt gese­hen. Wei­ter­le­sen

Publikation: Japan und die Erste Russische Revolution (1905)

Gera­de erreich­te mich vom Ver­lag Sla­vi­ca Publishers in den USA, einem der füh­ren­den Ver­la­ge für Publi­ka­tio­nen aus dem Bereich der ost­eu­ro­päi­schen Geschich­te, die Nach­richt, daß ein Auf­satz­band zur Ers­ten Rus­si­schen Revo­lu­ti­on (1905), in dem sich ein Auf­satz von mir fin­det, druck­frisch aus­ge­lie­fert wur­de:

Sprot­te, Maik Hen­drik (2013): The Con­quest of Bread: Ear­ly Japa­nese Socia­lism and the Rus­sian Revo­lu­tion of 1905 as an Inspi­ra­tion.“ In: Fischer von Wei­kers­thal, Felicitas/ Grü­ner, Frank/ Hoh­ler, Susanne/ Sche­de­wie, Franziska/ Utz, Rapha­el (Hg.): The Rus­sian Revo­lu­tion of 1905 in Trans­cul­tu­ral Per­spec­tive. Iden­ti­ties, Peri­phe­ries, and the Flow of Ide­as. Bloo­m­ing­ton, IN.: Sla­vica Publis­hers, S. 325—337.

Homepage mit neuem Design

Mei­ne Inter­net­prä­senz hat ein neu­es Design. Ich ver­su­che mit einer Neu­ge­stal­tung mei­ner Inter­net­prä­senz der Ent­wick­lung Rech­nung zu tra­gen, daß sich das Ver­hal­ten bei der Nut­zung des Inter­nets — hier vor allem bezüg­lich der zuneh­men­den Ver­brei­tung von Tablet-PC und Han­dys — stark ver­än­dert. Auch wenn sicher noch eine Fein­jus­tie­rung mei­ner Sei­ten erfor­der­lich sein dürf­te, hof­fe ich, durch das neue Erschei­nungs­bild mei­nes Inter­net­pro­fils die­sen Ent­wick­lun­gen durch ein „respon­si­ve design“ zu ent­spre­chen.