Das „Schriftzeichen der Zukunft“ (未来の漢字) – die Behaglichkeit und Freude

rakuViel­leicht ist es das Vor­recht der Kin­der, opti­mis­tisch in die Zukunft zu bli­cken. Mög­li­cher­wei­se aber ist es auch nur eine Aus­drucks­form einer Erzie­hung, die den Ängs­ten und Sor­gen posi­ti­ve Wün­sche für eine gedeih­li­che zukünf­ti­ge Ent­wick­lung vor­zieht. Zwei­fels­oh­ne gäbe es im 21. Jahr­hun­dert welt­weit  über die Genera­tio­nen­gren­zen hin­weg aus­rei­chend Anlaß, sich Sor­gen zu machen. Unge­ach­tet der Tat­sa­che, daß die Kri­sen und Pro­ble­me moder­ner Gesell­schaf­ten auch die Kin­der in ihrem Erle­ben und Den­ken errei­chen, schei­nen sie sich eine Por­ti­on der Zuver­sicht erhal­ten zu haben – zumin­dest in Japan und in einer über­schau­ba­ren Zahl. Anläß­lich der Bekannt­ga­be des 20. „Schrift­zei­chens des Jah­res“ (koto­shi no kan­ji 今年の漢字) Mit­te Dezem­ber 2014, von der ich bereits berich­te­te, wur­de von der „Japa­ni­schen Gesell­schaft zur Über­prü­fung der kan­ji–Fähig­keit“ (Nihon kan­ji nôryo­ku ken­tei kyô­kai 日本漢字能力検定協会) unter den Schü­lern des 1. bis 6. Schul­jah­res in japa­ni­schen Grund­schu­len auch ein „Schrift­zei­chen der Zukunft“ (mirai no kan­ji 未来の漢字) ein­ge­wor­ben. Unter den zehn Schrift­zei­chen, die die meis­ten Stim­men der 6.387 Abge­ge­be­nen auf sich ver­ei­nen konn­ten, waren aus­nahms­los Schrift­zei­chen mit einer zutiefst posi­ti­ven Kon­no­ta­ti­on. Mit 674 Stim­men gewann das Schrift­zei­chen gakuraku / tano­shiitano­shi­mu mit sei­nen Bedeu­tun­gen wie etwa „behag­lich“, „bequem“, „fröh­lich“ und „ver­gnüg­lich“.

Auf die fol­gen­den Plät­ze ver­wie­sen wur­den die fol­gen­den Schrift­zei­chen:

2. 明 [mei - myô / aka­riaka­rui] – klar, hell, rein (550 Stim­men);
3. 夢 [mu / yume] – Traum (481 Stim­men);
4. 優 [ / yasa­shiisugu­reru] – freund­lich, sanft, mil­de, anmu­tig (256 Stim­men);
5. 幸 [ / sai­waisachishia­wa­se] – Glück, Segen (235 Stim­men);
6. 光 [ / hika­ruhika­ri] – leuch­tend, fun­kelnd, glän­zend (192 Stim­men);
7. 和 [wao / yawa­ra­guyawa­ra­ge­runago­mu] – weich, sanft, beru­higt (184 Stim­men);
8. 希 [kike / marekoi­ne­gau] – unge­wöhn­lich, epo­chal, bei­spiel­los (163 Stim­men);
9. 輝 [ki / kaga­ya­ku] – strah­lend, fun­kelnd, schim­mernd (155 Stim­men);
10. 美 [bi / uts­ukus­hii] – schön, rei­zend, edel (114 Stim­men);

Am 26. Dezem­ber 2014 gaben 20 Schü­le­rin­nen und Schü­ler, die sich lan­des­weit an der Aus­schrei­bung betei­ligt hat­ten und durch das Los aus­ge­wählt wur­den, im Kiyomizu‐dera in Kyô­to, dem bud­dhis­ti­schen Tem­pel, an dem auch stets des­sen Vor­bild, das „Schrift­zei­chen des Jah­res“, der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt wird, das sieg­rei­che Schrift­zei­chen bekannt. Anschlie­ßend wur­den die Schrift­zei­chen in der Haupt­hal­le des Tem­pels vor der „Kannon‐Statue mit 1000 Hän­den“ (Kiyomizu‐gata jûichi‐men sen­ju Kannon‐zô 清水型十一面千手観音像) geweiht.

Ange­sichts der erschre­cken­den Ereig­nis­se der letz­ten Tage und Wochen mit ihrer welt­wei­ten Reso­nanz ist nicht nur den japa­ni­schen Kin­dern zu wün­schen, daß sie sich mög­lichst lan­ge ihren auf die Zukunft wei­sen­den Opti­mis­mus bewah­ren mögen.

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