Neue Publikation zur Zivilgesellschaft

Ein Auf­satz als gekürz­ter Nach­druck mei­nes Arbeits­pa­pie­res zur Zivil­ge­sell­schaft vor 1945 ist in einer Publi­ka­ti­on über die Bürger-Staat-Beziehungen in Japan erschie­nen:

Sprot­te, Maik Hen­drik (2013): „Zivil­ge­sell­schaft als staat­li­che Ver­an­stal­tung? Eine Spu­ren­su­che im Japan vor 1945.“ In: Foljanty-Jost, Gesine/ Hüs­te­beck, Momo­yo (Hg.): Bür­ger und Staat in Japan. Halle/Saale: Uni­ver­si­täts­ver­lag Halle-Wittenberg (= Schrif­ten des Zen­trums für Inter­dis­zi­pli­nä­re Regio­nal­stu­di­en, Band 3), S. 89—129. ⇒ zum Voll­text die­ser Publi­ka­ti­on.

Weiteres Forschungsprojekt: Egon Bahrs Japanbesuch 1969

Ich habe die Inhalts­be­schrei­bung eines neu­en Pro­jekts, das mich neben mei­ner Arbeit an mei­nem For­schungs­vor­ha­ben in den letz­ten Mona­ten beschäf­tigt und dem ich unter dem Titel „Egon Bahrs Japan-Besuch 1969: ein Moment des japa­ni­schen ’nuclear hedging‘ “ nach­ge­he, der Auf­stel­lung gegen­wär­ti­ger und zukünf­ti­ger For­schungs­vor­ha­ben hin­zu­ge­fügt.

Greenpeace zum Reaktorunfall in Fukushima

Green­peace hat knapp einen Monat vor dem 2. Jah­res­tag der Drei­fach­ka­ta­stro­phe im Osten Japans einen Bericht über die – nach Mei­nung die­ser Orga­ni­sa­ti­on – völ­lig unzu­rei­chen­de Ent­schä­di­gungs­pra­xis der Tokyo Elec­tric Power Com­pa­ny (TEPCO) als Betrei­ber des Kern­kraft­wer­kes Fuku­shi­ma und zur Ver­ant­wor­tung füh­ren­der Unter­neh­men am Reak­tor­un­fall, die aller­dings auf­grund der herr­schen­den Rechts­la­ge nicht in deren Betei­li­gung an Ent­schä­di­gun­gen mün­de­te, ver­öf­fent­licht:

  • Bericht (japa­nisch) 『福島原発事故 空白の責任』 (Fuku­shi­ma gen­patsu jiko – kûha­ku no seki­nin, PDF):
  • Zusam­men­fas­sung der Bericht­in­hal­te (japa­nisch):
  • Bericht (eng­lisch) „Fuku­shi­ma Fall­out“ (PDF):
  • Zusam­men­fas­sung der Bericht­in­hal­te (eng­lisch):

Von Inter­es­se in die­sem Zusam­men­hang ist viel­leicht, daß TEPCO selbst in ver­schie­de­nen Memo­ran­den und Stra­te­gie­pa­pie­ren seit Mit­te des ver­gan­ge­nen Jah­res etwa den Bedarf einer erheb­lich höhe­ren finan­zi­el­len Unter­stüt­zung sei­tens des japa­ni­schen Staa­tes zu begrün­den ver­sucht, um mög­lichst schnell die unter­neh­me­ri­sche Unab­hän­gig­keit wie­der­erlan­gen zu kön­nen: z.B. in einem Kon­zept unter dem Titel „Management-Vorhaben zur Rege­ne­ra­ti­on“ (再生への経営方針 sai­sei no kei­ei hôs­hin) vom 7. Novem­ber 2012: (PDF in japa­ni­scher Spra­che).

Die Betei­li­gung des japa­ni­schen Staa­tes an die­sen Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen erfolgt vor­wie­gend auf der Grund­la­ge fol­gen­der recht­li­cher Bestim­mun­gen, deren Titel hier in ver­gleichs­wei­se frei­er Über­set­zung wie­der­ge­ge­ben wer­den:

  • des „Geset­zes bezüg­lich der Ent­schä­di­gung von Kern­ener­gie­schä­den“ (原子力損害の賠償に関する法律 gens­hiryo­ku son­gai no baishô ni kan suru hôritsu, Link in japa­ni­scher Spra­che),
  • des „Geset­zes bezüg­lich einer Kom­pen­sa­ti­ons­ver­ein­ba­rung für Scha­dens­er­satz bei Kern­ener­gie­schä­den“ [zwi­schen dem Staat und Ener­gie­un­ter­neh­men] (原子力損害賠償補償契約に関する法律 gens­hiryo­ku son­gai baishô hos­hô kei­ya­ku ni kan suru hôritsu, Link in japa­ni­scher Spra­che) und
  • des „Geset­zes eines Unter­stüt­zungs­me­cha­nis­mus für Scha­dens­er­satz bei Kern­ener­gie­schä­den“ (原子力損害賠償支援機構法 gens­hiryo­ku son­gai baishô shi­en kikô-hô, Link in japa­ni­scher Spra­che) mit sei­ner Aner­ken­nung einer „gesell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung“ des Staa­tes, die ihrer­seits mit dem bis­he­ri­gen Vor­an­trei­ben der Kern­ener­gie­po­litk („これまで原子力政策を推進してきたことに伴う社会的な責任を負っていることに鑑み“) begrün­det wird.

Publikation: „Zivilgesellschaft als staatliche Veranstaltung?“

Maik Hendrik Sprotte (2012): Zivilgesellschaft als staatliche Veranstaltung? Eine Spurensuche im Japan vor 1945.

In der Arbeits­pa­pier­rei­he des Inter­na­tio­na­len Gra­du­ier­ten­kol­legs „For­men­wan­del der Bür­ger­ge­sell­schaft. Japan und Deutsch­land im Ver­gleich“ (Uni­ver­si­tät Halle-Wittenberg und Uni­ver­si­tät Tôkyô) ist gera­de ein län­ge­rer Text von mir erschie­nen, in dem ich mich unter dem Titel „Zivil­ge­sell­schaft als staat­li­che Ver­an­stal­tung? Eine Spu­ren­su­che im Japan vor 1945″ mit den his­to­ri­schen Wur­zeln der japa­ni­schen Zivil­ge­sell­schaft aus­ein­an­der­set­ze.

In mei­nem Dis­kus­si­ons­bei­trag tre­te ich für eine nach­hal­ti­ge­re Berück­sich­ti­gung his­to­ri­scher Pro­zes­se in der sozial- und poli­tik­wis­sen­schaft­li­chen For­schung zu Japan ein. Es scheint zu kurz zu grei­fen, die Exis­tenz einer japa­ni­schen Zivil­ge­sell­schaft mit den Argu­men­ten einer im Japan der Zeit ver­brei­te­ten „Tra­di­ti­on des Respekts für die Auto­ri­tät und der Gering­schät­zung des Vol­kes“ (kan­son min­pi 官尊民卑) und eines Prin­zips „der Selbst­auf­op­fe­rung für das Gemein­wohl“ (mes­shi hôkô 滅私奉公) infra­ge zu stel­len. Dies gilt auch dann, wenn man unter dem Gesichts­punkt einer Berück­sich­ti­gung der Unter­stüt­zung des zeit­ge­nös­si­schen Herr­schafts­sys­tems durch brei­te gesell­schaft­li­che Schich­ten, die sich par­ti­ell in Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­fan­den, die mei­ner Inter­pre­ta­ti­on nach als zivil­ge­sell­schaft­li­che kate­go­ri­siert wer­den kön­nen, nur ein­ge­schränkt zivil­ge­sell­schafts­theo­re­ti­sche Annah­men zur Staat­fer­ne und Gewalt­frei­heit unter Berück­sich­ti­gung von Zeit und Raum in Anwen­dung brin­gen kann.

Neben der Fra­ge nach der Exis­tenz einer japa­ni­schen Öffent­lich­keit (kôkyôsei 公共性) in der japa­ni­schen Geschich­te vor 1945 erör­te­re ich in mei­nem Text die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen der Zeit hin­sicht­lich mög­li­cher For­men der Ver­ge­mein­schaf­tung und zei­ge am Bei­spiel des Russisch-Japanischen Krie­ges (1904/05), daß es eine Fül­le von zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen gab, die in der Ana­ly­se nicht aus­schließ­lich nor­ma­ti­ven Erwar­tun­gen einer Demo­kra­ti­sie­rung des Herr­schafts­sys­tems ent­spre­chen, son­dern die viel­mehr herr­schafts­sta­bi­li­sie­rend und gele­gent­lich auch durch­aus, auf einen poten­ti­el­len (aus­län­di­schen) Geg­ner gerich­tet, gewalt­haft im Sin­ne einer „robuste(n) Ket­te von Befes­ti­gungs­wer­ken und Kase­mat­ten“ (nach Anto­nio Gram­sci) zur Ver­tei­di­gung natio­na­ler Inter­es­sen wirk­ten.

Durch die Berück­sich­ti­gung den Staat stüt­zen­der Orga­ni­sa­tio­nen als Vari­an­ten zivil­ge­sell­schaft­li­cher Ver­ge­mein­schaf­tung lie­ßen sich mei­ner Ansicht nach für die Zeit vor 1945 dif­fe­ren­zier­te­re Aus­sa­gen über die Rol­le und die Hand­lungs­spiel­räu­me der Unter­ta­nen des Ten­nô, die zugleich auch immer Staats­bür­ger waren, und somit über die Qua­li­tät der Staat-Bürger-Beziehungen in his­to­ri­scher Per­spek­ti­ve tref­fen.

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Selbstmordrate und Erdbebenkatastrophe 2011

Anfang Juni ver­öf­fent­lich­te die japa­ni­sche Regie­rung durch ihr Kabi­netts­bü­ro ihr „Weiß­buch der Maß­nah­men gegen Selbst­mord“ (jisa­tsu tais­a­ku hakus­ho 自殺対策白書) für das Jahr 2011 (Heisei 23). Die­ser Sta­tis­tik zufol­ge nah­men sich 2011 30.651 Men­schen in Japan das Leben. Im Ver­gleich zu der sta­tis­ti­schen Erhe­bung des Vor­jah­res bedeu­tet dies eine Redu­zie­rung der Frei­to­de um ca. 3,3% (2010: 31.690). Erst­mals nach 14 Jah­ren sei somit die jähr­li­che Anzahl der Selbst­mor­de in Japan wie­der unter 31.000 gesun­ken. Unter­su­chun­gen der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) bele­gen, daß Japan unter den acht füh­ren­den Indus­trie­na­tio­nen der Welt hin­ter Ruß­land die zweit­höchs­te durch­schnitt­li­che Selbst­mord­ra­te auf 100.000 Ein­woh­ner zu ver­zeich­nen hat.

Was nun aber gegen­wär­tig der Regie­rung Sor­gen berei­tet, ist der sprung­haf­te Anstieg der Selbst­mord­fäl­le im zwei­ten Quar­tal 2011. Im April nah­men sich 2711 (2010: 2585), im Mai 3375 (2010: 2782) und im Juni 3037 Men­schen (2010: 2780) das Leben. Wur­de im ver­gan­ge­nen Jahr noch etwa der Frei­tod des Ero­tik­mo­dells (gura­bia aido­ru グラビアアイドル) und TV-„Sternchens“ Ueha­ra Miyu (上原美優, 1987–2011) am 12.05.2011 dazu her­an­ge­zo­gen, die unty­pisch anstei­gen­de Selbst­mord­ra­te im zwei­ten Quar­tal 2011 in der Alters­grup­pe der 20- bis 30-jährigen Frau­en zu erklä­ren, steht nun­mehr die „Erd­be­ben­ka­ta­stro­phe im Osten Japans“ (Higashi-Nihon dais­hin­sai 東日本大震災) vom 11.03.2011 im Fokus der Ana­ly­se. Wei­ter­le­sen

Angehöriger des japanischen Kaiserhauses verstorben – Tomohito, Prinz Mikasa (1946–2012)

Am Nach­mit­tag des 06. Juni ist in einem Tokyo­ter Kran­ken­haus Prinz Tomo­hi­to (Tomohito-shinnô 寛仁親王), der prä­sum­ti­ve Erbe des Prin­zen­ti­tels Mika­sa 三笠, im Alter von 66 Jah­ren ver­stor­ben. Als Sohn des jüngs­ten Bru­ders des Shôwa Ten­nô 昭和天皇 (1901–1989), des Prin­zen Mika­sa Taka­hi­to (Mika­sa no miya Takahito-shinnô 三笠宮崇仁親王, geb. 1915), war er ein Cou­sin des gegen­wär­ti­gen Ten­nô. Er ver­starb nach sei­ner 16. Krebs­ope­ra­ti­on seit 1991.

Der wegen sei­nes Bar­tes in Japan freund­lich als „bär­ti­ge Hoheit“ (hige no denka ヒゲの殿下) bezeich­ne­te Prinz Tomo­hi­to erreg­te vor allem außer­halb Japans media­le Auf­merk­sam­keit, als er sich als Ange­hö­ri­ger des Kai­ser­hau­ses 2005 und 2006 über­ra­schend deut­lich gegen eine zur dama­li­gen Zeit dis­ku­tier­te Ände­rung des „Geset­zes für das Kai­ser­haus“ (kôs­hitsu ten­pan 皇室典範), mit der eine weib­li­che Thron­fol­ge in Japan ermög­licht wer­den soll­te, wand­te. Wei­ter­le­sen